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Die Stimme - mein Weg

Eigentlich wollte ich immer singen.

Nicht einfach ein bisschen.

Sondern so richtig.

Frei.

Mutig.

Kraftvoll.

 

So wie Whitney Houston.

 

Wenn ich so singen könnte, wäre ich Sängerin.

Ganz sicher.

Ich bin als älteste und einzige Tochter mit vier jüngeren Brüdern aufgewachsen. Es war oft laut, lebendig. Was ja schön war. Aber Kinder passen sich an und ich dachte oft: Jetzt kann ich nicht auch noch laut sein. Nicht auch noch wild. Nicht auch noch Raum einnehmen.

 

Also war ich die "Älteste", die "Reife", die "Vernünftige". Die grosse Schwester, die auf ihre kleinen Brüder aufpasst. Und ich war auch ein bisschen leiser, als ich eigentlich war.

​

Mit elf Jahren, 1998, stand ich auf der Bühne: in der Mini Playback Show. Ich war Teil der "Mini Spice Girls" für ein Jahr. Wir hatten TV Auftritte, gaben Interviews, waren in Zeitungen.

 

Das war mein Moment.

Mein Highlight.

Mein bestes Jahr!

 

Kameras. Publikum. Licht. Applaus. Einfach geil!

 

Und dann kam die andere Seite: Sprüche, bestimmt auch Neid: „Die will doch immer im Mittelpunkt stehen." „Die ist arrogant."

 

Ich hörte das. Konnte mit den Sprüchen nicht umgehen. Und zog mich zurück, nicht ganz aber genug, um vorsichtig zu werden. Genug, um zu lernen: Sichtbar sein kann wehtun. Ich wurde leiser.

​

Meine Stimme blieb.

Doch ich hielt sie zurück.

Aus Angst, zu viel zu sein.

Zu laut.

Zu präsent.

 

Und trotzdem war sie immer da, diese Sehnsucht nach Ausdruck, nach Bühne, nach Raum.

 

Über Jahre sagte meine Mutter: „Vio, die Speech Academy - das wäre doch dein Ding.“

 

Ich mochte den Gedanken. Und schob ihn weg weil zu unrealistisch, zu wenig Sicherheit.

 

2020 wurde ich zum ersten Mal Mutter. Ein neues Leben begann. Corona. Vieles hat sich verändert. Das Muttersein war sehr einschneidend für mein Leben. Auch die Fehlgeburt im Jahr 2023 hat mich stark geprägt - aber auch erinnert, wer ich bin und wer ich sein will. 2024 wurde ich erneut Mutter. Dann kam 2025 - Ein Jahr voller Entscheidungen.

 

Ich entschied mich, nach der Babypause nicht wieder in meinen sicheren Backoffice-Job zurückzugehen.

Ich entschied mich, meiner inneren Stimme zu folgen. Ich ging zum Schnuppern an die Speech Academy in Kemptthal und spürte sofort: Da ist mein Raum, hier schlägt mein Herz höher.

​

Und trotzdem fing der Kopf an: Zu teuer, zu wenig Zeit, zwei kleine Kinder, schon eine Ausbildung am Laufen, nächstes Jahr dann...

 

Ich hatte so viele Gründe, warum es nicht der richtige Moment ist.

 

Und gleichzeitig verging kein Tag mehr, an dem ich nicht an diese Schule dachte.

An diese Stimme in mir und die Lust, MEINE Stimme zu entdecken, zu trainieren, zu schauen, was die überhaupt so drauf hat.​ Im September 2025 begann ich meine Ausbildung zur Sprecherin.​

​

Während meinem zweiten Einzelcoaching nur ein paar Wochen später, sagte mir ein Dozent einen Satz, der alles verschob:

 

„Violetta, du bist nie zu viel.“

 

Dieser Satz ging tief.

Sehr tief.

 

Im Tonstudio war ich den Tränen nah, konnte mich aber zusammenreissen. Später dann im Auto kam's hoch: ich erkannte, wie lange ich mich leiser gemacht hatte, angepasster. Wie stark meine Schutzmauer geworden war und wie gross meine Angst, Raum zu nehmen. Hier geht es nicht einfach darum, eine "nette Synchronsprecherstimme zu werden". Hier sitzen Themen, die ich JETZT angehe, um frei zu werden.

​

Immer wieder hörte ich:

„Deine Stimme darf mehr Raum einnehmen.“

„Mehr Volumen.“

„Mehr Präsenz.“

 

Eine Dozentin sagte einmal:

„Deine Stimme darf singen, Violetta. Ich weiss, dass du das kannst.“

 

Am selben Tag meldete ich mich für Gesangsunterricht an.

 

Vor Menschen sprechen war schon ein Schritt.

Vor Menschen singen fühlte sich an wie das Intimste überhaupt.

Nackt in einer Menschenmenge zu stehen, bräuchte mich weniger Mut, als angezogen zu singen.

 

Und doch: Ich bekam wunderbares Feedback und hörte es selbst.

Meine Stimme hat Potenzial.

​

„Es klingt, als würdest du ein Fenster öffnen, mit deiner Stimme nach draussen singen und dann erschrecken, über deine eigene Kraft und das Fenster gleich wieder schliessen", beobachtete mein Gesangslehrer.

 

Auch dieser Satz blieb und passte wie Faust aufs Auge.

 

Ich begann die Ausbildung zur Sprecherin aus Spass, ohne konkrete Absicht.

Heute spüre ich: Hier liegt so viel mehr!

 

Hier öffnet sich ein Raum, in dem ein Teil von mir sichtbar wird, der lange im Hintergrund war.

Ich spüre, wie meine Ambitionen von Workshop zu Workshop wachsen, von Erfahrung zu Erfahrung. Ich will professionelle Sprecherin sein.

​

Ich will meine Stimme nutzen.

In Texten.

In meinem Blog.

In einem Podcast.

In Geschichten.

In Lesungen.

In Werbung.

In Filmen.

In Dokus.

 

Ich will Tabus brechen. Denn Sätze wie „Darüber spricht man nicht“, lassen mich rebellieren. Ich habe Lust, mit meiner Stimme Mut zu machen. Zu inspirieren. Zu berühren.

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