Der heilige Feierabend
- violettabrack
- 21. Okt. 2024
- 2 Min. Lesezeit
Da ist er wieder, der Feierabend. Mein heiliger Feierabend. MEIN. HEILIGER. FEIERABEND. Und täglich grüsst das Murmeltier. So kommt es mir manchmal vor.
Ich versuch mich oft daran zu erinnern, wie er war, dieser Feierabend, bevor ich Mutter wurde. Meistens frag ich mich das sehr intensiv, wenn meine Kinder nicht gleich einschlafen wollen: Wenn mein kleiner, fünf Monate alter Sohn wieder an meiner Brust nuckelt, nachdem er eigentlich schon eingeschlafen und ich gerade dabei war, meiner Tochter die Füsse zu massieren. Meistens schläft sie dann besser - und schneller - ein.
Während mein Geduldsfaden dünner und dünner wird, schon leicht strapaziert vom (All)Tag drifte ich langsam ab: Wie fühlte er sich an, dieser Feierabend? Damals, wenn ich nach der Arbeit nach Hause ging: aus dem Büro in Wipkingen, wo ich in einer Immobilienfirma gearbeitet hatte oder aus dem ewz Gebäude in Oerlikon, aus dem Architekturbüro in Binz oder aus dem Mammut Store in Zürich... Ich verliess das Büro und ging zum Training, traf mich mit Freunden, manchmal auch ganz spontan noch was trinken - vor allem zu "Mammut Zeiten", oder ich traf mich mit meinem (festen) Freund. Manchmal ging ich auch noch schoppen. Das war vor allem bei meinem ersten Job als Praktikantin im Architekturbüro der Fall. Ich hatte ja meinen ersten richtigen Lohn verdient. Das verdiente Geld musste schliesslich wieder unter die Leute. Oder ich ging einfach nach Hause, kochte mir was zu essen und sass dann mit meinem Teller Pasta vor dem Laptop und schaute Grey's Anatomy.
Ich erinnere mich gut daran, was ich tat. Aber das Gefühl dazu scheint irgendwie verschwunden.
Vor ein paar Wochen gab es einen ganz kurzem Moment, wo ich mich an das Gefühl erinnerte, als ich noch 100% arbeitete, Montag bis Freitag, acht Stunden pro Tag, Bürojob, ganz klassisch und dann am Freitag um 17.00 Uhr das Wochenende begann. Ich weiss gar nicht mehr, in welchem Zusammenhang diese Erinnerung hoch kam. Doch es durchströmte mich, dieses Gefühl von Freiheit. Das Gefühl von Vorfreude auf's Wochenende, auf's Ausschlafen, auf meinen Freund, auf Sex, auf Kino, Party... Und dann kribbelte es in meinem Bauch. Das hab ich immer, wenn ich an etwas sehr Schönes denke oder mir etwas vorstelle, das mich erfüllt. Ich bekomme noch heute ein solches Kribbeln im Bauch, wenn ich an eine schöne Wohnung denke!
Und dann reisst es mich wieder aus dem abendlichen Tagtraum ins Hier und Jetzt. Mein Sohn schläft nun in meinen Armen, sein Mund leicht geöffnet. Ach, wie süss er doch ist!
Auch meine Tochter scheint nun doch endlich eingeschlafen zu sein. Halleluja! Nach 5 Geschichten, drei davon mit Buchvorlage, zwei ohne, vier von meinem Mann, eine vor mir, nach Rücken-, Hand- und Fussmassage, Gute Nacht Lied und dem "was ich diese Nacht träumen möchte"-Spiel...
Mamma Mia.
Meine Nerven.
Und dann, wenn sie schlafen, diese süssen, unschuldigen und noch so kleinen Geschöpfe, die ICH - fast alleine - erschaffen habe, kribbelt es auch im Bauch. Weil meine Kinder wundervoll sind und mich diese bedingungslose Liebe überkommt.
Oder vielleicht auch, weil er nun da ist, mein heiliger Feierabend.


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